One Song – ein Jahr Musikgeschichte.

52 Wochen – 52 Songs – ein Jahr Musikgeschichte
gestaltet von Ferdinand Götz – seit über 40 Jahren begeisterter Konzertbesucher.
Während seines vieljährigen Lebens in London, Paris oder Zürich war er immer wieder zu Besuch an den spannendsten Orten des zeitgenössischen Konzertgeschehens, von Rock, Pop, Funk und Soul, auch Jazz und Weltmusik. In London die Brixton Academy, das Hammersmith Odeon oder ganz früher der Marquee Club. In Paris: das Zenith, das Olympia, die Rote Fabrik in Zürich, heute natürlich das Kino Ebensee. Überall dort wo gegenwärtige Musik zu hören war und ist.
Folgerichtig ist jetzt diese Zusammenschau für ihn wichtiger Musikbeispiele verschiedenster Genres. Musik die mehrere Generationen geprägt hat, von Meilensteinen großer Meister der Rockmusik, bis zu Geheimtips. Let the music roll.


1 / Rolling Stones / Honky Tonk Women / 1968
Jugend war ein schwarzes Loch. Spriessende Körper. Drängende Fragen. Wohin gings mit all dem unausweichlichen. In ein schwarzes Loch, treppab zu den Flipperautomaten eines Spielsalons. Das Leben wie eine Kugel, in unkontrolliertem Flug durch den Kasten des Automaten. Dazu in diesem düsteren Untergeschoß, der Soundtrack der Rolling Stones, mit ihrem Song „Honky Donk Women“ der mich damals 15 jährigen auf dem Nachhauseweg von der Schule, lebensentscheidend zu elektrisieren wusste.

Nächste Woche wird auf diesem Sendeplatz Jimi Hendrix mit seinem explosivem Gitarrengewitter zu hören sein.

2 / Jimi Hendrix / Ezy Ryder / 5:58 / 1968
In die große Kiste zu greifen, mit großartiger Musik der 60 Jahre heißt jetzt natürlich Jimi Hendrix zu spielen. Was waren das für Explosionen, wer braute dieses Gemisch, an bisher noch nie gehörtem. Jimi Hendrix, sticht sich die Nadel ins Blut und fliegt drogengeladen mit den Fingern in den Song: Ezy Ryder und explodiert mit mächtigem Gitarrenrauschen auf der Bühne.

Nächste Woche: Eine Königin des Gesangs: Miriam Makeba

3 / Miriam Makeba / Pata Pata / 3:32 / 1967
Es war die Zeit des Vietnamkriegs, des erbarmungslosen Schlachtzugs der Amerikaner gegen die vietnamesische Volksarmee. Allmählich dämmerte in unser Bewusstsein als Heranwachsende auch, dass in Südafrika ein gnadenloses Apartheidregime herrschte, das die Schwarzen unterjochte und jede Befreiungsbewegung bekämpfte, oder, wie 1960 Miriam Makeba des Landes verwies. Der Sänger Harry Belafonte half ihr bei der Umsiedelung in die USA und bei ersten Auftritten in Los Angeles und New York. Damit und mit dem Song „PATA PATA“ begann die Weltkarriere von Miriam Makeba und ihrer Stimme: leicht, trällernd und mädchenhaft, aber auch, kokett, bluesig, mit dem Ton von Dorfliedern und Geisterbeschwörungen.

Nächste Woche wird uns Dusty Springfield einen Song über den Sohn eines Predigers singen.

4 / Dusty Springfield / Son of a Preacher Man / 2:26 / 1969
„The white queen of soul“ wurde sie genannt. In den 60ern des vergangenen Jahrhunderts war sie eine der erfolgreichsten Sängerinnen Großbritanniens und darüber hinaus eine Stilikone mit Einfluss auf Haarschnitt und Mode. Sie hatte ein glückliches Händchen in der Wahl ihrer Songs, unvergesslich ihr SON OF A PREACHER MAN. Dusty Springfield, 1964, auf Tournee in Südafrika, wurde sie vom damaligen Apartheidregime des Landes verwiesen, weil sie sich geweigert hatte, vor rassisch getrenntem Publikum aufzutreten. Eine Frau mit Haltung, eine Frau mit großer Stimme.

Nächste Woche werden wir mit David Bowie im Raumschiff unterwegs sein.

5 / David Bowie / Space oddity / 5:04 / 1969
Wir fuhren nach Linz, nach Wien um Schallplatten zu kaufen. Kehrten heim mit besonderen Schätzen. Freunde kamen, es wurde das Neue präsentiert. David Bowie war darunter: Ground controll to major Tom

Nächste Woche: Velvet Underground in New York mit dem Rücken zum Publikum

6 / Velvet Underground / Foggy Notion / 6:50 / 1969
1965, New York City, Andy Warhol war der große Zampano, um den sich alle kunsthungrigen scharrten, und die Velvets spielten ihre ersten Auftritte. „Wir gingen definitiv nach draußen, um zu beleidigen, wir drehten dem Publikum den Rücken zu,“ sagten sie provokant. Warhol engagierte die Gruppe für einen gemeinsamen Auftritt im Delmonico’s Hotel an der Park Avenue, wo Warhol als Vortragsredner zum Festbankett der New York Society for Clinical Psychiatry geladen war. Warhol, weigerte sich vor Publikum zu sprechen, unterhielt die Gäste stattdessen mit der Musik von Velvet Underground, zu der er Filme spielte und Gerard Malange einen Peitschentanz tanzte. Die Filmemacher Jonas Mekas und Barbara Rubin gingen derweil mit einem Scheinwerfer durch den Saal und stellten den verstörten Psychiatern peinliche Fragen nach ihren Sexualpraktiken und die Velvets spielten FOGGY NOTION.

Nächste Woche: Der Geist Woodstocks mit der Stimme von Joni Mitchel

7 / Joni Mitchel / Big Yellow Taxi / 2:15 / 1970
Alles sprach von Woodstock und Joni Mitchel schrieb den Song “Woodstock” zum Festival. Sie, die über sich sagte “Meine linke Hand ist wegen der Kinderlähmung in meiner Kinheit etwas ungeschickt” sang mit glockenheller Stimme ihre Songs, liebte kurze Zeit lang ihren kanadischen Landsmann Leonhard Cohen, kam nach New York, landete wie Bob Dylan in Greenwich Village. 1969 war sie eingeladen gewesen auf dem legendären Woodstock-Festival aufzutreten, konnte das Festivalgelände jedoch auf Grund des enormen Andrangs, den Staus, nicht erreichen und verpaßte ihren Auftritt. Die Texte ihrer Songs spielen in Cafes und Bars, in düsteren kleinen Zimmern – an vom Mond beschienenen Ufern – in Küchen – in Krankenhäusern und auf Rummelplätzen. Sie ereignen sich in Fahrzeugen wie in dem wunderbaren Song: BIG YELLOW TAXI.

Nächste Woche: Wenn die Liebe eine Stimme hat, dann die von Kevin Ayers.

8 / Kevin Ayers / May I / 4:01 / 1970
Unsere Musik kam fast ausschließlich aus den Staaten und Großbritannien, das war der Nährboden, aus dem wir unsere Schätze bargen. Die Musik dieser Zeit war höchst vielfältig. Sie war drogen- und politikaufgeladen, und vielfach wurde euphorisch die Liebe besungen. Auch von Kevin Ayers, 1944 in Kent, in Britannien geboren. Kevin war eine Wundertüte, die einmal geöffnet die wunderbarsten Stücke spielte, die alle Schwermut vertrieben.
Wir werden einst alle vergessen sein, hier sei erinnert an den Vergessenen Unvergesslichen, mit MAY I, diesem absolut süssen Liebeslied.

Nächste Woche: Brasil, Brasil mit Astrid und Joao Gilberto

9 / Astrud Gilberto / The girl from ipanema / 5:17 / 1962
Nachdem wir vergangene Woche mit „May I“ von Kevin Ayers die Liebe besangen, begeben wir uns heute nach Rio de Janeiro, an die Strände, in die Bars, in den Rhythmus der Musik, den Tanz der Erotik, mit dem traumhaften Song THE GIRL FROM IPANEMA. Astrud und ihr Mann Joao Gilberto lassen Musik erklingen, so zärtlich, zerbrechlich und verführerisch, als wäre das Leben ein Traum.

Nächste Woche wird es heiß werden, ganz heiß mit James Brown dem Meister des Funk.

10 / James Brown / Sex Machine / 3:20 / 1971
Ganz mächtig in meiner Erinnerung steht dieser Musiker, war Garant für Tanzeslust in den langweiligsten Landdiscos. Nach stundenlang trostloser Musik die dort gespielt wurde, kam sie dann doch endlich noch, die eine, geile Nummer: James Brown / Sex machine. Ein Mädchen zum Tanz war gleich gefunden, die Tanzfläche füllte sich und endlich wogte der Körper im Rhythmus dieser heißen Musik: „ You gonna have soul. You gonna have sex!“

James Brown, der Meister des Funk, der diesen Stil in den 1950er und 1960er Jahren entwickelt hat. Afroamerikaner, aber auch aus dem Indianerstamm der Apachen stammend, zweier größtmöglich unterdrückten Rassen schuf er scharf akzentuierten, treibenden Groove, der oft minutenlang beibehalten und variiert wurde. Take me to the bridge and hit me: SEX MACHINE / James Brown.

Nächste Woche: Als noch Kohlestaub über den englischen Städten hing und Traffic ihre groovigen Sounds spielten.

11 / Traffic / Gimme some lovin’ / 5:40 / 1971
Letzte Woche hatten wir den schwarzen Groove von James Brown, heute lassen wir den Beat der britischen Band: Traffic rollen. If you can’t catch the beat on that song, have somebody check your pulse, you may be dead. Youtube schreibt heutzutags solche Sätze, wenn es über Traffic, einer der wichtigsten britischen Bands der 1960 und 70er Jahre, sprechen will. Sie waren eine Landkommune in Großbritannien, von hochkarätigster musikalischer Qualität. Ich fuhr mit Freunden in meinem klapprigen Renault 4 nach München um Traffic live zu hören. Let the beat roll, war die Devise, mit einer Prise singendem Soul: GIMME SOME LOVIN.

Nächste Woche wird es ganz entspannt werden mit Serge Gainsbourg, dem französischen Meister des Songwritings

12 / Serge Gainsbourg / Melody / 7:30 / 1971
Allmählich drang auch interessante Musik anderer Länder in unsere Hörwelt. Der Franzose Serge Gainsbourg mit seinen Liedern, den enorm ausdrucksstarken Texten, die sich oft durch meisterhafte Wort- und Lautspiele, eindringliche Bilder, unerwartete Wendungen und teilweise provokante Äußerungen auszeichnen. 1928 geboren und 1991 gestorben ist er am Friedhof von Montparnasse in Paris begraben. Sein Grab zählt noch immer zu den meistbesuchten und wird regelmäßig mit Blumen, Gedichten und Bildern geschmückt. Seine Fans dekorieren das Grab auch mit Zigaretten, und Whisky Gläsern, was soviel heißt wie, er rauchte wie ein Schlott und soff wie ein Loch, war aber ungemein produktiv, schuf Musik mit Jazzeinflüssen, afrikanischen Rhythmen, Reggae, sowie klassischen Einflüssen. Heute, hier zu hören: MELODY aus dem Jahre 1971.

Nächste Woche: Eine große Stimme der Soulmusik: Curtis Mayfield

13 / Curtis Mayfield / Move on up / 8:48 / 1971
Und die Verschmelzung der afroamerikanischen Kirchen Musik, des Gospels mit der Bluesmusik führte zur Geburtsstunde des Soul, zur Karriere eines ihrer herausragenden Interpreten: Curtis Mayfield. Nach erfolgreicher Karriere in der ersten Hälfte der 1970 er Jahre, mit Hits wie “Gimme your Love”, odeer “Superfly” und dem heute zu hörenden: MOVE ON UP, traf ihn 1990 während eines open-air-Auftritts im New Yorker Stadtteil Brooklyn eine von einem Sturm losgerissene Lichttraverse. Er war danach vom Hals abwärts gelähmt, komponierte aber im Krankenbett weiterhin großartige Musik.

Nächste Woche wird es kosmisch werden mit der Incredible String Band, aus dem Jahr 1972.

14 / Incredible String Band / Cosmic Boy / 3:51 / 1972
Welch Gegensatz zur Musik der Schwarzen in dieser Zeit, dem Soul der das erstarkende schwarze Selbstbewusstein in Schlüssel Songs zum Ausdruck brachte: Say it Loud – I’m Black and I’m Proud, dazu die romantischen, musikalischenVerträumtheiten der britischen Incredible String Band. Die Folk-Bewegung, aus Amerika kommend, erlebte auf den britischen Inseln zu diesem Zeitpunkt einen Höhepunkt. Und es war ein so süsses, verträumtes Gespiele und Gesinge, das man denken konnte, endlich, das Gute hatte gesiegt und der Song: COSMIC BOY tat es kund. Und die ganze Welt war dabei, englische Folkmusik stieß auf indische Melodien, afrikanische Klänge vermischten sich mit dem traditionellem Blues. Kindhafte und drogenbeeinflusste Gesänge, schwer verständliche Texte, ein mystisches Universum. Einst besaß ich fast ihr gesamtes Werk, ein gutes dutzend Schallplatten.

Nächste Woche: Deutschland im Jahre 1972 mit der Band : CAN

15 / Can / Spoon live / 4:02 / 1972
Samstag abend wars. Die wöchentliche Sendung Beatclub im schwarz weiß Fernsehen. Die dort präsentierte Musik war ein Skandal fürs bürgerliche Wohlbefinden. Das waren keine, wie sonst überall zu hören, seichten Schlagergesänge, Marschmusik oder wir sind das singende Volk Lieder. Da war treibender Rhythmus zu hören, schrille Gitarren, gemurmelter, auch schreiender Gesang. Avantgardistische Bands spielten in dieser samstäglichen Sendung auf, die keinem bisher gehörtem Musikstil zuzuordnen waren. Die 1968 in Köln gegründete Band: CAN war dort zu hören, in diesem Experimentierfeld für noch nie gehörtes. Was war das für ein Drive, wer die Musik zuließ, in sich hineinließ der erlebte Momente voll Trance. Und die Welt war nicht mehr wie sie vorher war. Can, konnte das. SPOON aus dem Jahre 1972.

Nächste Woche: Eine tragische Geschichte mit den Temptations und ihrem Song: Papa was a Rollin’ Stone

16 / The Temptations / Papa was a Rollin’ Stone / 11:50 / 1972
Autocity Detroit 1960, die großen amerikanischen Straßenkreuzer rollen aus den Fabriken. Die Arbeitskraft ist schwarz, die Musiker auch. The Temptations werden gegründet, ein Vokalquintett, dessen größter Hit: PAPA WAS A ROLLIN’ STONE – wherever he laid his hat was his home // and when he died, all he left us was alone… In Papa was a Rollin’ Stone wird beschrieben, wie der Sohn seine Mutter über seinen Vater befragt, den er nie gesehen hat. Er erfährt, dass sein alkoholabhängiger Vater noch drei andere Kinder mit einer anderen Frau hatte und nie einer Arbeit nachging. Sein Zuhause war dort, wo er seinen Hut hinhängte – er war ein Herumtreiber.

Nächste Woche begeben wir uns in die kalifornische Sonne mit einem Song, eingespielt von Captain Beefheart.

17 / Captain Beefheart / Netherlands / 4:51 / 1975
Auch schon tot, der Gute. 1941 in Kalifornien geboren und 2010 unter kalifornischer Sonne gestorben. Er schuf höchst unkonventionelle Musik mit ungewöhnliche Arrangements, Polyrhythmik, nichtmetrischem Timing und oftmals mit kryptischen oder bewusst absurden Songtexten. Kommerziell besonders erfolgreich war er damit nicht, aber sein Einfluß auf spätere Generationen war groß, als einer der ersten, der den Rock an seine musikalische Grenzen gebracht hatte. NETHERLANDS von Captain Beefheart aus dem Jahre 1975.

Nächste Woche: Patty Smith die große Poetin des Punk

18 / Patty Smith / Gloria / 5:56 / 1975
Sie ist Poetin aus ärmlichen Verhältnissen, singen für sie eine Möglichkeit ihre Gedichte vorzutragen, das Ganze halb atemlos über nur scheinbar primitive Rockakkorde gelegt, mit aufbegehrendem und nervösem Reiz. GLORIA von Patty Smith.

Nächste Woche: Eric Burdon and War mit einer explosiven Mischung heisser, schwarzer Musik.

19 / War / Low Rider / 3:13 / 1975
Der Brite Eric Burdon, irgendwo auf Platz 57 der größten Sänger aller Zeiten genannt, trifft, nach dem Ende seiner Band “The Animals” mit dem Hit “The house of the rising sun”, auf die amerikanische Band: “War”. Eine explosive Mischung aus Soul und Funk war geboren, die 1972, mit dem Album „The world is a ghetto“ das erfolgreichste Album des Jahres in den USA veröffentlichte. Eric Burdon & War waren keine LOW RIDER, wie der Songtitel besagt, sie waren die heißeste Band der beginnenden 1970er Jahre, der Traum eines jeden Tänzers.

Nächste Woche: Wer fühlen will, muss laut hören, hieß es damals als die die Sex Pistols groß waren.

20 / Sex Pistols / Pretty Vacant / 1975
Die Sex Pistols, der Punk, drückten eine rebellische Haltung aus, war aber auch desillusionierte Weltanschauung. Als Erkennungszeichen für einen echten Punker standen gefärbte, hochgestellte Haare, Irokesenschnitt, gepiercte Ohren, Nase und Wangen, zerrissene Kleidung. Die meisten Punkmusiker waren Autodidakten, spielten drei Akkorde und nicht mehr. Die Meister dieser Musik waren die 1975 gegründeten Sexpistols. Sie brachten in ihrer kurzen Karriere bis 1978 lediglich vier Singles und ein Studioalbum – das legendäre „Never Mind The Bolloks“ heraus, hatten aber mit „Anarchy in The U.K.“, „God Save The Queen“ sowie dem jetzt zu hörenden PRETTY VACANT drei epochale Punkhits produziert.

Nächste Woche: wieder einmal ab nach New York ins Jahr 1977 mit der Gruppe Suicide.

21 / Suicide / Girl / 4:05 / 1977
Suicide waren hypnotisch, die absolute musikalische Reduktion. Synthieorgel und Gesang, druckvoll in die Welt gehaucht. Nur eine kleine verschworene Gemeinschaft hörte sie. Kleine, düstere Clubs in New York waren ihre Auftrittsorte. Das Cbgb, der Club, der die Keimzelle des Punks war, auch für Suicide, diesen Rock’n Roll Punkern.

Nächste Woche: Ein Experiment das auch ganz zart sein konnte: Throbbing Christle aus England.

22 / Throbbing Christle / 20 Jazz Funk Greats / 2:52 / 1979
Throbbing Christle waren nicht interessiert an Musik als solcher. Sie waren interessiert an Information und Experiment. Sie erkannten, dass das zentrale Feld der Auseinandersetzung zwischen den Menschen, die Information werden würde. Und sie provozierten mit einer ihrer Aktionen einen nationalen Skandal, mit dem sich selbst das britische Parlament befasste. Sie waren aber in den fünf Jahren ihrer Zusammenarbeit äußerst produktiv, sechs Studio-Alben erschienen, viele Live-Alben, zahlreiche Singles, Industrial Sound, wie er genannt wurde, gespielt mit extremer Verzerrung auf selbst konstruierten elektronischen Geräten, schwer verdauliche Kost, sicherlich, gewählt hier aber, der Song: 20 JAZZ FUNK GREATS, einer der wenigen eingänglichen Titel der Gruppe.

Nächste Woche: B 52 war ein Bomber, B 52 war auch eine Band, mit dem Aufruf die Beine zu schwingen.

23 / B-52’s / Love Shack / 4:17 / 1980
Und wir wollten tanzen in den 80ern des letzten Jahrhunderts. Die Musik der B’52s aus Athens, Georgia, mit den zwei Männern und den hochtoupierten und mittels Haarspray in Form gehaltenen Bienenkorbfrisuren der beiden Sängerinnen, waren immer ein Aufruf die Beine zu schwingen, zu jubeln und zu singen: LOVE SHACK is a little old place ….

Nächste Woche: der entspannte Sound des Rappers Grandmaster Flash.

24 / Grandmaster Flash / The Message / 6:04 / 1982
Es ist 1982 und Zeit den Hip Hop ins Spiel zu bringen. DJ Grandmaster Flash entwickelte die meisten Techniken, die bis heute das DJ_ing im Hip Hop prägen. Das Cutting – das zum Beat parallele Einspielen von Tracks. Das Backspinning – die Platte wird zur Wiederholung eines bestimmten Abschnitts schnell rückwärts gedreht. Und das Phasing – bei dem durch die Verringerung der Geschwindigkeit eines der beiden Plattenteller ein Phaseneffekt erzeugt wird. Grandmaster war ein früher Meister des Genres. Woher kommt diese ständige Inspiriertheit in black music. Vom Blues zum Gospel, zum Soul und Funk, dem Jazz und Hip Hop, und alles dann noch durchgemischt, gespielt mit viel heart and soul. Let THE MESSAGE be yours.

Nächste Woche: ein Song mit dem britischen Komponisten und Sänger : Robert Wyatt: Wir werden Schiffe bauen für den Krieg,

25 / Robert Wyatt / Ship building / 3:08 / 1982
Wyatt kam von der Gruppe „Soft Machine“, die 1968 als Vorgruppe der Jimi Hendrix Experience durch die USA tourte, verließ die Gruppe, stürzte 1973 bei einer Party aus einem Fenster eines mehrstöckigen Hauses und war seitdem querschnittgelähmt. Der Zauber von Robert Wyatts Musik liegt vor allem in seiner Stimme, die so zerbrechlich sanft heranschleicht, mehrere Oktaven umfasst, und eher düstere Hörerlebnisse bietet, oft mit politischen Inhalten: Singles für streikende britische Bergleute, zur Unterstützung der Namibia Hilfe. Mit dem Song SHIP BUILDING kommentierte er den Falkland-Krieg zwischen Großbritannien und Argentinien um eine kleine, armselige Insel im Südatlantik.

Nächste Woche: Brodelnde Musik aus New York mit den Talking Heads.

26 / Talking Heads / Take me to the river – live / 7:41 / 1984
New York, Ende der siebziger Jahre, entfremdet und orientierungslos die Menschen, getrieben vom unablässigen Rhythmus der Stadt. Und die Talking Heads machten den Soundtrack dazu. David Byrne’s Gesang wirkte hektisch, nervös und überspannt, war von lebhafter aber auch irritierender Musik begleitet, die in späteren Jahren von harten, tanzbaren Funkrhythmen dominiert wurde, wie diese Coverversion von Al Greens TAKE ME TO THE RIVER aus dem Jahr 1984 zeigt.

Nächste Woche: Das funkige Afrika des Nigerianers Fela Kuti.

27 / Fela Kuti / Teacher don’t teach me Nonsense / 13:37 / 1986
Nervöser, New York Funk der Talking Heads vergangene Woche. Heute die nicht weniger treibende, doch überaus entspannte Version des Funks von Fela Kuti. Sage und schreibe 1 Million Menschen kamen zu seiner Aufbahrung im Stadion in Lagos / Nigerien. An Aids gestorben, hatte er wohl unzählige Frauen angesteckt, betrachtete er doch „Frauen als Matratzen“ und hatte einst in einer Massenzeremonie 27 seiner Tänzerinnen und Sängerinnen geheiratet, unter dem Motto: Fuck them all! Was gibt’s sonst noch gegen ihn zu sagen. Da gebe es genug. Er saß wegen Mordes im Gefängnis. Er war allerdings auch ein vehementer Kritiker der nigerianischen Regierung und der unterdrückenden Zustände in seiner Heimat. Und seine Musik war geprägt von Hypnotischer Polyrythmik mit afrikanischen Dialoggesängen, treibender Funk-Jazz, aufwühlender Afrorock. Er spielte mit allen Größen seiner Zeit, hatte großen internationalen Erfolg. Bis die Soldaten kamen, seinen Clubpalast in Brand setzten, sein Musikstudio zerstörten. Kuti überlebte mit einem Schädelbasisbruch, seine 77-jährige Mutter starb jedoch an ihren erlittenen Verletzungen.

Nächste Woche: Jazz at its best mit Chet Baker.

28 / Chet Baker / Almost blue / 7:33 / 1987
It’s Jazz time mit Chet Baker und seiner Trompete, die er ab 1952 in der Band vom großen Charlie Parker spielte, und bald eine der federführenden Figuren des Cool Jazz wurde, der mit allen Größen seiner Zeit spielte. Begleitet wurde sein Leben als Musiker leider von seiner Abhängigkeit von Heroin, die bis zu seinem Tod andauern sollte. Er verbrachte Gefängnisstrafen in Italien, wurde aus Deutschland verwiesen, schaffte aber immer wieder erstaunliche Comebacks, wie mit dem 1987 aufgenommenen Song: ALMOST BLUE.

Nächste Woche: Womack & Womack mit ihrem Song: Teardrops aus dem Jahr 1988.

29 / Womack & Womack / Teardrops / 3:58 / 1988
Black Music. Immer wieder Black Music. Es ist nur folgerichtig diese Musik in den 52 Songs ent-sprechend abzufeiern. Aus dem schwarzen Blues entstammt der Rock. Schwarze Musiker schufen den Jazz, den Funk, den Soul, später den Rap und Hip Hop. Das Ehepaar Womack & Womack ver-mischten ab dem Jahre 1979 traditonelle Stile der schwarzen Musikkultur wie Gospel und Rhythmn Blues mit weißen Adult-Contemporary Pop, zu hören in diesem wunderbaren Song: TEARDROPS.

Nächste Woche werden wir mit der englischen Gruppe: The Orb in den musikalischen Himmel schweben.

30 / The Orb / Little Fluffy Clouds / 4:27 / 1990
London, Ende der 80er Jahre. Ein paar Jungs warten auf einen späten Anruf. Endlich, das Telefon läutet. Instruktionen werden empfangen. Warhousepartys sind das angesagte Ding dieser Zeit. Es geht los zur U-Bahn. Destination Industrieviertel mit aufgelassenen Lagerhäusern. Düstere Straßen. Keine Spur von Leben. Sind wir hier richtig? Plötzlich. 30 – 40 Taxis kommen angefahren. Ein Tor wird geöffnet, schon ertönt Musik. The ORB mit ihrem 23 Minuten langen Song A Huge Ever Growing Pulsating Brain That Rules from the Centre of the Ultraworld, das The Orb auf einen Schlag bekannt und zu Ikonen der britischen Rave-Bewegung werden ließ. Das Opus war geprägt von einem verspielt rockigen Verständnis von elektronischer Musik. 1990 erscheint die nächste Hitsingle: LITTLE FLUFFY CLOUDS.

Nächste Woche wird uns MCSolaar beweisen, dass sich auch Frankreich musikalisch zu erneuern wußte.

31 / MCSolaar – le nouveau Western / 3:32 / 1992

Aus der ehemaligen Kolonie Senegal nach Frankreich war ein begehrter Weg. MC Solar war
sechs Monate alt, als seine Eltern emigrierten. 1990 veröffentlichte er seine Debütsingle „Bouge de La“, die in Frankreich ein außergewöhnlicher Erfolg war. MC Solaar war einer der ersten, der französischen Hip Hop in weiteren Kreisen der Bevölkerung Frankreichs populär gemacht hat, da seine Texte ausgefeilter und weit weniger gewaltverherrlichend waren als bei anderen französischen Hip-Hop_Künstlern. LE NOUVEAU WESTERN

Nächste Woche: Ein grandioser Lovesong vom Schotten Edwyn Collins.

32 / Edwyn Collins / A girl like you / 3:59 / 1994
Legendär der Auftritt des schottischen Musikers Edwyn Collins auf der Kinobühne in Ebensee, wie der charismatischer Performer die Lautsprechertürme erklamm und hoch über dem Publikum seinen größten Hit: A GIRL LIKE YOU zum besten gab. Grandiose Geste, grandioser Song, gebührend abgefeiert in diversen Charts. Dann erlitt er Schlaganfälle und lernte leicht behindert neu Gitarre spielen, großartiges Songwriting hatte er nie verlernt.

Nächste Woche werden wir mit Youssou N’dour durch saftig grüne Landschaften im Senegal reisen.

33 / Youssou N’dour / 7 seconds / 4:27 / 1994
Saftig grün ist die Landschaft. Vereinzelt aus dem niedrig wachsenden Dickicht erheben sich riesige Bäume, mit Stämmen, wohl nur von drei bis vier Personen zu umfassen. Und hin und wieder ein kleines Dorf mit erdrot leuchtenden Lehmbauten, die umgeben sind von kleinen Feldern mit Maispflanzungen. Senegal. Heimatland des Sängers und Komponisten Youssou N’dour’s. Seit Kolonialzeiten stark ist die Bande zwischen dem Senegal und Frankreich. Er landet 1983 in Paris und spielt sich in die erste Riege der Weltmusik. 7 SECONDS mit der schwedischen Sängerin Neneh Cherry war sein größter Erfolg. Immer schon politisch, und sozial engagiert, ist Youssou N’dour seit 2012 Minister für Kultur und Tourismus seines Landes.

Nächste Woche werden uns Kyuss mit ihren Desertrock in die kalifornische Wüste bringen.

34 / Kyuss / Rodeo / 5:30 / 1995
Es kreisen Geier über den Bergen. Der Fels ist rot und zart ist das grün der Pflanzen entlang des trockenen Wasserlaufs, der vielleicht ein dutzendmal im Jahr Wasser führt. Bis oben hin zur Bergkuppe wachsen riesige Kakteen, die bis zu hundertfünfzig Jahre alt werden, das ist fast wie Stein. Die als Begründer des Genres Desert Rock geltenden Kyuss, spielten an solchen Orten im kalifornischen Palm Desert auf ihren schnell Berühmtheit erfahrenden „Generator Partys“ ihre stilprägend tiefer gestimmten Gitarren, jagten Songs wie RODEO durch ihre Bassverstärker.

Nächste Woche wird es wieder bluesig werden. Nicht in seiner Reinform, aber mit der geballten Kraft von PJ Harvey.

35 / PJ Harvey / Down by the water / 3:31 / 1995
PJ Harvey mag seit ihren Anfängen als wilde junge Frau, mit Stromgitarre und Punk Background im Laufe ihrer mehr als 25-jährigen Karriere viele Stationen durchlaufen haben. Über ihr prächtig strahlendes Meisterwerk „To Bring you my Love“ von 1995, über dem spartanischen Pianosoloalbum „White Chalk“ bis hin zu den zuletzt mächtig gegen das System wetternden Arbeiten „Let England Shake“ und „The Hope Six Demilition Projekt“. Im Grund ist sie immer im Blues verhaftet geblieben. DOWN BY THE WATER von PJ Harvey.

Nächste Woche wird es bitter sweet werden mit: The Verve

36 / The Verve / Bitter Sweet Symphony / 4:37 / 1997
The Verve waren ja nicht wirklich bei mir am Radar während der kurzen Zeit ihres Erfolgs, trotz ihres grandiosen Hits BITTER SWEET SYMPHONY, der für die Band zu einem finanziellen Debakel wurde, weil sie Teile davon von den Rolling Stones gestohlen hatten, von diesen geklagt wurden und die Rechte daran verloren. Zufällig sah ich vor wenigen Jahren dann das Video von Bitter Sweet Symphony. Vor Richard Ashcroft her, dem Sänger von Verve, kriecht die endlose Straße mit den grauen, armseligen kleinen Häusern.

Vom dunstigen Himmel herab senkt sich graues Licht. Meilenweit, wohin man schaute, die Londoner Hässlichkeit und Schäbigkeit, während Ashcroft sich durch diese gesichtlose vorstädtische Einöde kämpft, rücksichtslos Menschen zur Seite rümpelt, auf Kühlerhauben von Autos springt, ihm plötzlich ein Mann entgegentritt, der einst, wie ich unzweifelhaft erkenne, in meiner Londonzeit ein Freund von mir gewesen war. Ich konnte es nicht glauben: Andrew Herman spielt eine kleine, tragende Rolle in diesem Video.

Wenn Britpop Songjuwels zu bieten hatte, dann von den nächste Woche zu hörenden: Blur

37 / Blur / Song 2 / 2:02 / 1997
Blur war Britpop at its best. Zornig, intelligent, überraschend, die Nummern kurz, mit expliziten Bezug auf die britische Popmusiktradition mit den Kinks und den Beatles. Mit SONG 2 schafften sie international den Durchbruch und ihr Mastermind Damon Albarn ist seit dem Ende der Band in verschiedenen Projekten tätig, unter anderem den sehr erfolgreichen: Gorillaz.

Nächste Woche: New York 1998, ein Sonntag mit Sonic Youth

38 / Sonic Youth / Sunday / 4:01 / 1998
Anfang der 1980er Jahre, Zürich, Rote Fabrik. Sonic Youth waren eine kleine Band aus New York, die damals nur einen kleinen Saal zu füllen vermochten, diesen aber dicht gefüllt. Es war wuchtig vorwärtsdrängender Gitarrensound der Mark und Bein erschütterte, und der ständige Wechsel zu jeweils anders gestimmten Gitarren schuf einen Soundreichtum der berauschend war. Tief verschwitzt vom Tanz, aufgehoben in dieser kleinen verschworenen Gemeinschaft, war das Leben plötzlich mit Leichtigkeit, um nicht zu sagen mit Glück erfüllt, und das in Zürich, dieser kalten Stadt der Begegnungsverweigerung. Viele Jahre später sah ich Sonic Youth nochmals im 6000 Leute fassenden Konzertsaal Zenith in Paris. Sie waren eine große Band geworden, die Musik nach wie vor kraftvoll, vielleicht eine Spur melodiöser. Hören sie SUNDAY von Sonic Youth aus dem Jahre 1998.

Nächste Woche: The Fall mit einem musikalischen Brief

39 / The Fall / Dr. bucks letter / 5:18 / 2000
Mehrmals live gehört, Zürich, London, ihre erste Langspielplatte gekauft, mit der nuschelnden, manchmal durchs Megaphon gejagten Stimme eines grantigen Mark E. Smith, dem mastermind von „The Fall.“, die er nach dem Roman: Der Fall von Albert Camus benannt hatte. Es waren Songs, im Sinne des Punks mit drei Akkorden gespielt, mit trotzdem, wie 40 Jahre Bandgeschichte belegen, extremen Variationsreichtum und Texten mit großer kritischer Kraft. Seit ihrer Gründung spielten über 50 Musiker in der Band und veröffentlichten in dieser Zeit 45 Singles, sowie 88 Alben, darunter: The „Unutterable“ aus dem Jahr 2000 mit der Komposition: DR. BUCKS LETTER.

Nächste Woche Outkast unter dem Motto: let’s dance.

40 / OutKast / Hey Ya / 2003
Heute sind wir in der 40. Woche dieser Sendung, im Jahr 2003, und wer jetzt zu „Outkast“ mit HEY YA tanzen will, der soll es bitte tun. In der 24. Woche dieser Sendung, dem Jahre 1982, war Grandmaster Flash, der große Wegbereiter des Rap und Hip Hop mit seinem Song: „Message“ zu Gast. Jetzt sind wir 20 Jahre später und Outcast bieten ein gutes Beispiel der Weiterentwicklung des Hip Hop. OutKast, die Ausgestossenen, waren schwarz, sie kamen aus dem Süden, bezogen sich in ihren Texten auf das Leben in ihrer Heimatstadt Atlanta, mit Musik, die trotz ihres progressiven und oftmals experimentellen Ansatzes kommerziell stets erfolgreich war.

Nächste Woche wird endlich mit Attwenger österreichische Musik in diesem Programm landen.

41 / Attwenger / dog / 3:02 / 2005
Bis zur 37. Woche dieses Programms und bis ins Jahr 2005 hat es gedauert bis endlich bei mir österreichische Musik in den Fokus gerückt worden ist. Attwenger sei gedankt, ihrem minimalistischem Mix aus traditionellem Material und afroamerikanischen Einflüssen und dem wunderbare Singsang in oberösterreichischem Dialekt. In der Stadtwerkstatt, diesem frühen Brennpunkt künstlerischen Schaffens, in Linz in den frühen 1990ern gegründet, sprengten sie im Laufe ihres musikalischen Schaffens viele Grenzen des Genres, nahmen Anleihen beim Hip Hop, dem Drum and Bass. „Attwenger live“ sind Schlagzeug und Akkordeon, bei den Albumaufnahmen wird der Sound vielfach durch Gastmusiker aufgefettet, wie bei dem jetzt zu hörendem: DOG.

Nächste Woche wird ein entspannter Blues erklingen von Budy Guy.

42 / Budy Guy / What kind of woman is this / 5:23 / 2005
Zumindest eine Bluesnummer sollte unter den 52 Songs zu finden sein, zu wichtig war diese Musikrichtung für die Entwicklung der Populärmusik des vergangenen Jahrhunderts. Laid back, nur keine Aufregung, wir bluesen so dahin, lassen die Gitarre ein wenig heulen. Keep on rollin’ Budy Guy: Well, well,
are you happy now?
Yeah!
Are you happy now?
Yeah!
You want more?
Yeah!
Take each others hand and cry,
WHAT KIND OF WOMEN IS THIS.

Nächste Woche zu hören, Nick Cave, der mit ungebrochener Kraft seit 40 Jahren am Werk ist.

43 / Nick Cave / Bring it on / 4:19 / 2006
London in den 1980ern, Camden Town, Konzert der legendären „Birthday Party“ der damaligen australischen Band von Nick Cave. Irgendwo hatte ich gelesen, Birthday Party seien die beste Liveband der Welt. Ich reiste nach London, oder, Erinnerungslücke, ich war sowieso schon dort. Und sie explodierten förmlich auf der Bühne. Das ging nicht lange gut. Plötzlich Abbruch des Konzertes. Ein wilder Streit zwischen den Musikern brach los. Sie stürmten wütend von der Bühne. Das war es gewesen, das letzte Konzert der Birthday Party. Nick Cave als Solointerpret, oder mit seiner Band: „The Bad Seeds“ war geboren, und überzeugt seitdem mit einer derartigen Dichte von großartigen, oftmals melancholischen Songs, das es schwer ist daraus einen zu wählen. Hier ist aus dem Jahre 2006 Nick Cave mit BRING IT ON.

Damit es nicht heißt österreichische Musik wäre hier zu kurz gekommen, nächste Woche die Sängerin und Komponistin Gustav.

44 / Gustav / We shall over come / 4:33 / 2006
Und endlich erklangen die Chansons von Gustav aus dem Radio, aus diesem Radio vor allem. Eva Jantschitsch ist Gustav, mit Laptop gespielt ihre vielfach elektronische Musik. Allein die Titel ihrer Songs, wie „Rettet die Wale“, „Verlass die Stadt“, „Alles renkt sich wieder ein“, öffnen weite Gedankenräume, sind Parolen die fordern, bestärken, erschüttern. WE SHALL OVERCOME ist ein Song ursprünglich von Joan Baez komponiert und gesungen, eine der Stimmen der amerikanischen Friedensbewegung der 1968. Und seitdem, bis zur Version von Gustav, hat es sich nicht erübrigt über Frieden zu singen und diesen einzufordern.

Nächste Woche düsen wir wieder ab in die Vereinigten Staaten, zu James Murphy und seinem LCD Soundsystem.

45 / LCD Soundsystem / Daft Punk is Playing at my house / 3:27 / 2009
Wollen sie tanzen, wollen sie Party, hier kommen Dance und Punk, sowie Elemente des Disco, prall gefüllte Musik jedenfalls von dem New Yorker: LCD Soundsystem und ihrem DAFT PUNK IS PLAYING AT MY HOUSE aus dem Jahr 2009. LCD Soundsystem ist vor allem das Projekt des Produzenten und Multiinstrumentalisten: James Murphy, der jedoch eine feste Live-Band um sich gebildet hat, die keine aufgeblasenen Liveshows abliefert, wiewohl sie auch Stadien bespielen. Es wird nicht geklotzt, es wird gespielt und am besten getanzt.

Nächste Woche machen wir einen Abstecher in die Wüste zu den Tuaregs und den entspannten Gitarren von Terakaft.

46 / Terakaft / Alghalem / 5:15 / 2010
Wer jemals die Luft der Sahara geschnuppert, die Stille erfahren, die Weite der vermeintlich lebensfeindlichen Wüste kennen- und lieben gelernt hat und mit den umherziehenden Tuaregs auf Tuchfühlung gegangen ist, kommt um die Klänge der Gruppe Terakaft nicht herum. Terakaft, auf Tamascheq, der Sprache der Tuareg: Die Karawane, ist eine 2001 gegründete Musikgruppe des Genres Tuareg Blues. Sie gelten als Pioniere des Wüstenrocks in der Sahara und vor einigen Jahren breiteten sie ihren aus der Wüste kommenden hypnotischen Soundteppich im Kino Ebensee aus.

Nächste Woche wird ein Klassiker zu hören sein: Neil Young mit der Band Pearl Jam, live in Toronto.

47 / Neil Young and Pearl Jam / Rockin in the free world / 12:34 / 2011
Neil Young mit den Jungs von Pearl Jam, die Hymne ROCKIN IN THE FREE WORLD von Young in die Nacht von Toronto rockend. Ich war nicht dabei. Ich hatte aber mit Begeisterung die Anfänge von Neil Young mit der Gruppe Buffalo Springfield in den endenden 1960er Jahren gehört, auch die darauffolgenden Crosby, Stills, Nash and Young. Danach startete er seine Solokarriere mit dem großartigen Album: Harvest und seinen herzerwärmenden, melancholischen Songs. Das war die eine Seite von Neil Young. Die andere waren immer wieder Alben mit schwerem elektrischen Gitarrensound, treibendem Rhythmus die er mit seiner Band: The Crazy Horse einspielte.

Nächste Woche Deutschland mit der präzisen Musikingenieurskunst von Kreidler.

48 / Kreidler / Jaguar / 7:25 / 2011
Kreidler sind politisch, waren anfangs in der spoken word Bewegung tätig. Mit dem Album „Weekend“ wurden sie 1996 zum Newcomer des Jahres in Deutschland gewählt, Avantgarde, die auf Anhieb Spaß machte. Mit geradezu mathematischer Akribie und präziser Ingenieurskunst haben Kreidler elektronische perkussive Pop-Kleinode eingespielt mit wenigen Tönen, rhythmisch prägnant. Hier und heute der hypnotische Song: JAGUAR von Kreidler.

Nächste Woche heisst es wieder: let’s dance mit den Franzosen von Daft Punk.

49 / Daft Punk / Get Lucky / 4:08 / 2013
Den Song: Daft Punk is playing in my house vom LCD Soudsystem haben wir ja schon vor 3 Wochen gespielt. Hier kommt die Band Daft Punk höchstselbst. 1993 in Paris gegründet gelang es ihnen weltweit Furore zu machen, mit ihrem Mix von French House, Funk, Disco sowie Electronic music. Sie gewannen zahlreiche Grammy Awards, treten ausschließlich mit Robotermasken auf und schafften es, trotz ihrer extremen Popularität, ihre Gesichter bis zum heutigen Tage geheim zu halten. Die 2013 veröffentliche Single GET LUCKY, vielfach dazu getanzt, aus dem Album: Random Access Memories

Nächste Woche machen wir wieder eine Reise in den Süden, nach Marokko zur Gnawamusik die dort in bestimmten Gegenden auf Festen gespielt wird.

50 / Gnawa on Fire / 4:49 / 2014
Marokko. Die Stadt Taroudant. Wir gelangten durch schmale, dunkle, verwinkelte Gassen, zu einem finsteren Loch, das eine Türe markierte. Jetzt lag ein völlig lichtloser Gang, ein schwarzes Loch vor uns, worauf es über eine Treppe steil nach oben ging. Endlich wieder Licht, das einen kleinen Innenhof erhellte. Am Boden sitzend, links der Wand entlang die Mädchen mit den Müttern. An der gegenüberliegenden Wand die festlich gekleidet Männer und Jungen. Wir wurden herzlichst begrüßt.

Fragen über Fragen, über alle Sprachbarrieren hinweg mit Salamaleiku, Bercher, Schockran, den paar Brocken Berbersprache, die wir sprachen, war vieles gesagt und war zugleich für immer verschluckt von der betörenden Musik, die den ganzen Raum rhythmisierte. Von zwölf Händen gespielt, vibrierten, klirrend im Sekundentakt metallene Kastagnetten. Mächtig wummerte im treibenden Rhythmus die dreisaitige Baßgitarre, zu der krumme, hölzerne Stöcke heftig auf Trommeln geschlagen wurden. Unter einem klaren Sternenhimmel begannen manche Frauen, angetrieben von der sich immer wieder zu neuen Höhepunkten hochspielenden Musik, zu tanzen. Es gab kein Halten mehr, sie wurden eins mit dem treibenden Rhythmus. Ihre Körper zuckten haltlos durch die Nacht, bis sie endlich völlig erschöpft, halb ohnmächtig auf den Teppichboden sanken, während die marokkanische Musik GNAWA ON FIRE unerbittlich bis in den Morgen hinein spielte.

Nächste Woche kommt er doch noch, der alte Meister: Bob Dylan

51 / Bob Dylan / Beyond here lies nothing / 3:48 / 2015
Ich habe ihn nie live gesehen, stelle ihn mir aber als kleinen, blassen Menschen vor. Damals, in den 60er Jahren spielten alle Gitarre Spieler sein „The answer is blowin’ in the wind“, einer Hymne der damaligen Friedensbewegung, und sangen die Worte ohne sie wirklich zu verstehen. Dylan kam zu Beginn der 60er Jahre aus Minnesota ins künstlerisch boomende Greenwich Village nach New York City und sang in den Clubs seine Lieder mit einer Stimme die eher Gekrächze war. So singt er heute noch, ist ständig weltweit auf Tournee, veröffentlicht immer wieder neue Songs, und ist neuerdings sogar Nobelpreisträger für Literatur. Er sei ein Dichter, sagen sie, ein großer Meister des Wortes. BEYOND HERE LIES NOTHING von Bob Dylan aus dem Jahre 2015.

In der nächsten Woche sind wir schon bei der 52. Nummer und damit dem Abschlusssong dieser Serie. Der 2016 verstorbene David Bowie wird zu hören sein mit seinem musikalischen Vermächtnis.

52 / David Bowie / Blackstar / 9:59 / 2016
Mit dem musikalischen Vermächtnis des am 10. Jänner 2016 verstorbenen David Bowie will ich diese kleine musikalische Reise beenden. Treue Hörer erinnern sich vielleicht, Bowie war in dieser Reihe schon einmal zu hören, und wird heute zum zweiten Mal zu Gehör gebracht. Gibt ja niemand der über so viele Jahre mit derart kreativer Kraft tätig war, als ständig sich wandelnde Lichtgestalt der Rock- und Popmusik. Vom 1969er Album Space Oddity, über seine fruchtbare Berliner Zeit, der Veröffentlichung von drei Alben, seiner sogenannten Berlin-Trilogie in den 70er, der Übersiedlung in die Vereinigten Staaten mit der Hinwendung zum Soul, die er mit einigen erfolgreichen Alben und Hitsingles zelebrierte. Und immer wieder Überraschungen mit höchster musikalischer Qualität bis zu seinem letzten Album und dem gleichnamigen Titelsong: BLACKSTAR