Auf dem Weg ins Hier und Jetzt!

100 Jahre Republik Österreich.  Im Rahmen von 29 Sendungen in einer Länge von ca. fünf Minuten wird die Geschichte der Republik von 1918 bis 2018 nacherzählt. Bekannte Historikerinnen und Historiker erzählen die österreichische Geschichte so, dass sie auch anhand regionaler Ereignisse und Entwicklungen nachvollziehbar wird.

Ziel soll eine Bewusstmachung der Geschichte Österreichs als Republik und Gefäß für eine demokratische Entwicklung im Herzen Europas sein. Geschäftsführer M. Friedwagner zur Idee: „In den letzten Jahren hat sich vielfach gezeigt, dass die demokratischen Errungenschaften und Freiheitsrechte immer wieder neu erkämpft werden müssen. Daher versuchen wir mit dieser Sendereihe die Bedeutung und Qualität einer lebendigen Demokratie zu betonen und gleichzeitig darauf hinzuweisen, wie schnell eine Gesellschaft in autoritären und totalitären Strukturen untergehen kann.”

Mitwirkende HistorikerInnen und ExpertInnen: Oliver Rathkolb, Verena Lorber, Michael Kurz, Gudrun Blohberger, Wolfgang Quatember, Nina Höllinger, Bernhard Hachleitner, Julia Litofcenko, Klaus Ottomeyer, Christian Kloyber. Wir bedanken uns bei der Sparkasse Bad Ischl für die finanzielle Unterstützung der Sendereihe und bei der Radiofabrik Salzburg, Radio Orange Wien und Radio Agora in Klagenfurt für die Unterstützung bei der Produktion.

Auf dem Weg ins Hier und Jetzt – Teil 1: Die Gründung der Republik Österreich 1918

Mag.a Nina Höllinger ist seit 2009 für KZ Gedenkstätte und Zeitgeschichte-Museum in Ebensee tätig. In den Jahren 2007/08 hat sie sich umfassenden Forschungs-arbeiten rund um die Arisierung und Restitution jüdischer Liegenschaften in Bad Ischl gewidmet. Zudem betreut Höllinger BesucherInnengruppen in Gedenkstätte und Zeitgeschichte-Museum.

Im ersten Teil unserer Sendereihe spricht Nina über die Gründung der Republik sowie über die prekären politischen und sozialen Zustände am Ende des ersten Weltkriegs. Sie wirft im Rahmen ihrer Schilderung immer auch einen Blick auf die Geschehnisse im Salzkammergut.

Auf dem Weg in Hier und Jetzt – Teil 2: Die Einführung des Frauenwahlrechts im Jahr 1919

Mag.a Dr.in Verena Lorber studierte Geschichte an der Uni Graz und beschäftigte sich im Rahmen ihrer Dissertation mit der Arbeitsmigration nach Österreich in den 1960/70er Jahren. Die letzten Jahre war sie als Senior Scientist am Fachbereich Geschichte der Uni Salzburg und als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Graz beschäftigt. Seit Oktober 2018 ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Franz und Franziska Jägerstätter Institut an der KU-Linz tätig.

Im zweiten Teil unserer Reihe spricht sie über die Einführung des Frauenwahlrechts im Jahr 1919 und die Kämpfe der Frauen aus unterschiedlichen politischen Lagern, welche den Boden für die Einführung aufbereitet haben. Zudem reflektiert sie die politischen Überlegungen und das Kalkül, welche die Einführung des Frauenwahlrechts in der ersten Republik begleiteten.

Für die Unterstützung im Rahmen der Aufnahme mit Verena Lorber bedanken wir uns bei Eva Schmidhuber von der Radiofabrik Salzburg.

Auf dem Weg ins Hier und Jetzt – Teil 3: Abnabelung von Kaiser und Monarchie im Salzkammergut

Mag. Dr. Michael Kurz studierte Geschichte und Geographie an der Uni Salzburg und publizierte zu unterschiedlichen regional- und lokalgeschichtlichen Themen. Er gilt als einer der profiliertesten Kenner der Geschichte des Salzkammerguts und verfügt über ein ungemein breites, thematisches Œuvre.

Im dritten Teil der Reihe “Auf dem Weg ins Hier und Jetzt” spricht er über die Abnabelung von Kaiser und Monarchie im Salzkammergut, insbesondere in Bad Ischl und zeichnet dies anhand von Beispielen wie der Umbenennung von Straßen und Plätzen nach. Zudem wirft er einen Blick in die Protokolle von Gemeinderatssitzungen und skizziert die Diskussionen rund um die weitere Verwertung der Kaiservilla in Ischl.

Auf dem Weg ins Hier und Jetzt – Teil 4: Der Internationale Frauentag 1921

Mag.a Dr.in Verena Lorber studierte Geschichte an der Uni Graz. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen: Biographieforschung, Migrationsforschung, Frauen- und Geschlechtergeschichte, Regionalgeschichte und Erinnerungskultur. Seit Okt. 2018 ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Jägerstätter Institut an der KU-Linz tätig.

Im vierten Teil von “Auf dem Weg ins Hier und Jetzt” schildert Verena Lorber die Einführung des internationalen Frauentages und die politischen Forderungen, welche die Einführung begleiteten – etwa das Frauenwahlrecht, Mutterschutz für Schwangere und den 8 Stunden-Arbeitstag. Seit 1921 findet der internationale Frauentag immer am 8. März statt.

Auf dem Weg ins Hier und Jetzt – Teil 5: Notgeld im Salzkammergut

Mag. Dr. Michael Kurz gilt als einer der profiliertesten Kenner der Geschichte des Salzkammerguts und verfügt über ein ungemein breites, thematisches Œuvre.

Im fünften Teil unserer Sendereihe berichtet Michael Kurz über die kurze Epoche des Notgelds im Salzkammergut in den Jahren 1919/1920 – über “ein Strohfeuer der Wirtschaftsgeschichte des Salzkammerguts,” wie er es nennt. Ein Bericht über den Zerfall eines großen Wirtschaftsraumes und das Aufkommen von nationalen Währungen, die im Umbruch zu so manchen fiskalpolitischen Verwerfungen führten.

Auf dem Weg ins Hier und Jetzt – Teil 6: Schattendorf und der Justizpalast-Brand 1927

Dr. Wolfgang Quatember hat seit der Vereinsgründung 1988 die KZ Gedenkstätte und das Zeitgeschichte-Museum in Ebensee aufgebaut. Heute ist er Geschäftsführer der Gedenkstätte und des Museums. Quatember widmet sich zudem der Besucherbetreuung, der Überlebenden- und Nachkommenkontakte sowie der Organisation der Befreiungsfeierlichkeiten.

Im sechsten Teil unserer Sendereihe schildert Wolfgang die Auseinandersetzung des republikanischen Schutzbundes und des Frontkämpferverbandes am 30. Jänner 1927 in Schattendorf, einer kleinen Gemeinde im Bezirk Mattersburg, die zu zwei Todesofpern führte. Dieses Verbrechen und die anschließenden Freisprüche führten schließlich zum Brand des Justizpalastes.

 Auf dem Weg ins Hier und Jetzt – Teil 7: Die 1000 Mark Sperre 1933

Dr. Michael Kurz gilt als einer der profiliertesten Kenner der Geschichte des Salzkammerguts und verfügt über ein ungemein breites, thematisches Œuvre.

Im siebten Teil unserer Sendereihe berichtet Michael Kurz von der 1000 Mark Sperre, die im Jahr 1933 von Nazi-Deutschland verhängt wurde. Ziel waren die Destabilisierung des Tourismus in Österreich und die Schwächung der wirtschaftlichen Kraft der jungen Republik. Im Salzkammmergut, vor allem in St. Wolfgang, führte das zu dramatischen Rückgängen der Buchungen – die Betten blieben vielfach leer! Zur Einschätzung: Heute  wären 1000 Mark – laut Nationalbank – in etwa € 4.300, also eine stattliche Summe!

Auf dem Weg ins Hier und Jetzt – Teil 8: Salzkammergütler im Portrait –
Sepp Straffner und die Ausschaltung des Parlaments im März 1933

Im achten Teil von “Auf dem Weg ins Hier und Jetzt” erinnert Dr. Michael Kurz an Sepp Straffner aus Bad Goisern. Straffner der zum deutschnationalen Lager gehörte und Ende der 1920er Jahre einer der drei Präsidenten des Nationalrats war, spielte eine Schlüsselrolle bei der Ausschaltung des  Parlaments im März 1933.

Kurz bezeichnet ihn in seinem Beitrag sogar “als Totengräber der österreichischen Republik im Jahr 1933”. Letztlich war Straffner aber auch nur ein kleines Rad in einem großen, dynamischen Getriebe, das zunehmend ausser Takt geraten und bereits auf dem Weg in die Diktatur war.

 Auf dem Weg ins Hier und Jetzt – Teil 9: Bürgerkrieg im Februar 1934

Dr. Wolfgang Quatember hat seit der Vereinsgründung 1988 die KZ Gedenkstätte und das Zeitgeschichte-Museum in Ebensee aufgebaut. Heute ist er Geschäftsführer der Gedenkstätte und des Museums. 

Teil 9 widmet sich einem schmerzvollen Kapitel der österreichischen Geschichte – dem Bürgerkrieg 1934, in dem sich das christlich-soziale und das sozialdemokratische Lager unversöhnlich gegenüber standen. Vorausgegangen war dem Konflikt die Ausschaltung des Parlaments, ein Staatstreich, der in die Diktatur des Engelbert Dollfuß mündete. Quatember schildert in seinem Vortrag den verzweifelten Versuch des Ebenseer Bürgermeisters mit einem Brief an den damaligen LH von Oberösterreich Schaden abzuwenden – allein, erfolglos, auch im Salzkammergut ereigneten sich im Februar 1934 dramatische Szenen.

Auf dem Weg ins Hier und Jetzt – Teil 10: Nationalsozialistischer Juliputsch 1934

Mag.a Nina Höllinger ist seit 2009 für KZ Gedenkstätte und Zeitgeschichte-Museum in Ebensee tätig. In den Jahren 2007/08 hat sie sich umfassenden Forschungsarbeiten rund um die Arisierung und Restitution jüdischer Liegenschaften in Bad Ischl gewidmet.

In Teil 10 unserer Reihe zum Gedenkjahr 2018 berichtet Nina Höllinger über den nationalsozialistischen Juliputsch 1934. Obwohl der Putsch und die Besetzung des Bundeskanzleramtes, welche zur Ermordung des austrofaschistischen Kanzlers führte, schnell niedergeschlagen werden konnte, kostete der Putsch weiteren 200 Menschen das Leben. Höllinger beschreibt auch anhand regionaler Entwicklungen ein Klima der Gewalt, welches schließlich zum Putschversuch führen sollte.

Auf dem Weg ins Hier und Jetzt – Teil 11: Widerstand gegen das NS-Regime im Salzkammergut

Im elften Teil unserer Sendereihe fasst Mag.a Nina Höllinger die unterschiedlichen Formen von Widerstand gegen die Nationalsozialisten zusammen. Darunter weniger bekannte Aktionen wie “schwarz schlachten” oder “Musik hören – etwa Jazz”.

In ihrem Beitrag geht Nina aber vor allem auf die Widerstandsbewegungen im Salzkammergut, hier vor allem auf den kommunistischen Jugendverband Bad Ischl ein, der Flugblätter produzierte und weit über den Ischler Raum hinaus verbreitete. Höllinger beschreibt aber auch den “Igel” im toten Gebirge, einen Unterschlupf in dem sich gegen Ende des Krieges viele Gegner des NS-Regimes verborgen hielten.

Auf dem Weg ins Hier und Jetzt – Teil 12: Salzkammergütler im Portrait –
Sepp Plieseis und die Widerstandsruppe Willy/Fred

Dr. Michael Kurz gilt als einer der profiliertesten Kenner der Geschichte des Salzkammerguts und verfügt über ein ungemein breites, thematisches Œuvre.

Im zwölften Teil unserer Reihe widmet sich Michael Kurz der Biographie des gebürtigen Lauffners Sepp Plieseis, den eine frühe Karriere als Wilderer schon im jugendlichen Alter mit dem Gesetz in Konflikt brachte. Seine Fähigkeiten als Wilderer sollten ihm jedoch Jahre später helfen, um auf der Flucht vor den Nazis im toten Gebirge zu überleben. Plieseis war für die internationalen Brigaden im spanischen Bürgerkrieg hinter den feindlichen Linien tätig und gilt als Gründer der Widerstandsgruppe Willy/Fred im Salzkammergut.

Auf dem Weg ins Hier und Jetzt – Teil 13: Der Umbruch 1945 im Salzkammergut

In Teil 13 unserer Reihe zum diesjährigen Gedenkjahr wirft Dr. Michael Kurz einen Blick zurück ins Jahr 1945 und spricht von endlosen Kolonnen von Fahrzeugen und Pferdefuhrwerken – von sich zurück ziehenden Militärs, Flüchtenden und heimkehrenden Soldaten – die sich vom Pötschen über das gesamte Goiserer Tal bis nach Bad Ischl stauten. Viele fürchteten, die aus der Steiermark kommenden Russen und hofften auf ein Eintreffen der Amerikaner. Diese rückten am 5. Mai in Gmunden ein und befreiten das KZ Ebensee am 6. Mai 1945.

 Auf dem Weg ins Hier und Jetzt – Teil 14: Salzkammergütler im Portrait –
Franz Kain aus Bad Goisern, Holzknecht, Kommunist, Literat

Teil 14 unserer Zeitgeschichte-Reihe zum 100 jährigen Jubiläum der Republik stellt Franz Kain aus Bad Goisern ins Zentrum. Dr. Michael Kurz beschreibt einen Mann, dessen Familie von unterschiedlichen politischen Strömungen geprägt war. Obwohl Kain im katholischen Stephaneum zur Schule ging wandte er sich alsbald, mit 14 Jahren, den Kommunisten zu. 1936 wurde er wegen der Verteilung von Flugblättern erstmals inhaftiert.

Auch unter den Nazis wurde Franz Kain verhaftet. Er wurde in die Strafkompanie 999 berufen und geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Nach dem Ende des Krieges trat er einerseits als Schriftsteller in Erscheinung und verfasste vorzügliche Romane und Erzählungen und andererseits wurde er KPÖ in Linz zweimal in den Gemeinderat gewählt. Seine Bücher sind im Verlag Bibliothek der Provinz erhältlich. https://www.bibliothekderprovinz.at/autor/franz-kain/

Auf dem Weg ins Hier und Jetzt – Teil 15: Die Bad Ischler Milchdemonstration 1947

Im 15. Teil von “Auf dem Weg ins Hier und Jetzt” berichtet Mag.a Nina Höllinger von der Bad Ischler Milchdemonstration und von großer Not in der Bevölkerung. Der große Zuwachs an Menschen durch Flucht und Rückzugsbewegungen, die Befreiung des KZ Ebensee sowie die Errichtung von displaced persons camps führte zu einer existenziellen Ausnahmesituation hinsichtlich Ernährung und medizinischer Versorgung.

Die anfänglich noch teilweise hilfsbereite Haltung wandelte sich zunehmend in Feindseligkeit und Ausgrenzung – vor allem landfremden Flüchtlingen und displaced persons gegenüber. Stereotypen wie “Volksbetrüger” wurden wieder ausgepackt. Unter diesen Voraussetzungen fand am 20. Oktober 1947 die Bad Ischler Milchdemonstration statt.

Auf dem Weg ins Hier und Jetzt – Teil 16: Das Salzkammergut im Film der 1920 – 1960er Jahre

Dr. Michael Kurz skizziert in Teil 16 unserer Zeitgeschichte-Reihe wie das Salzkammergut im Film, von den 1920er bis in die 1960er, dargestellt und auch verklärt wurde. Kurz schildert wie FilmemacherInnen das Salzkammergut als stets wiedererkennbare Kulisse inszenierten und gerne das bekannte Wolfgangsee-Motiv, etwa in der Verfilmung des Weißen Rössls, bemühten.

In den 1930er Jahren wurde die Region erstmals touristisch inszeniert, ebenso wie nach dem zweiten Weltkrieg in den 1950er Jahren. In dieser Zeit schwappte auch die erste Welle der Heimatfilme über Österreich und nostalgisch verklärende Werke, welche das Salzkammergut als intakte, heile Heimat darstellten, entstanden. In den 60er Jahren mischte sich in die Verklärung der Klamauk eines Franz Antel und zehn Jahre später eppte die Welle der Filme mit Bezug zum Salzkammergut wieder ab.

Auf dem Weg ins Hier und Jetzt – Teil 17: Der Südtirol-Konflikt und Bombenanschläge in Ebensee 1963

Teil 17 unserer Radio-Reihe zum Jubiläum der Republik widmet sich dem Konflikt rund um die deutschsprachige Minderheit in Italien. Dr. Wolfgang Quatember berichtet von der Hoffnung Österreichs Südtirol nach dem zweiten Weltkrieg wieder in die Republik eingliedern zu können – ein Wunsch, welcher mit einer jähen Enttäuschung endete.

Im Gruber-Gasperi Abkommen des Jahres 1946 wurden die künftigen Beziehungen und territorialen Ansprüche zwischen Österreich und Italien geregelt. Dabei wurde festgehalten das Trento-Alto Adige, also Südtirol, eine gewisse Autonomie zugestanden werden muss. Dennoch sah sich die deutschsprachige Bevölkerung mit einer fortlaufenden Italianisierung konfrontiert und im Jahr 1957 kam es erstmals zu einer großen Protestkundgebung auf Schloß Sigmundskron.

Auf dem Weg ins Hier und Jetzt – Teil 18: Arbeitsmigration in Österreich seit den 1960er Jahren

Mag.a Dr.in Verena Lorber studierte Geschichte an der Uni Graz. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen: Biographieforschung, Migrationsforschung, Frauen- und Geschlechtergeschichte, … Seit Okt. 2018 ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Jägerstätter Institut an der KU-Linz tätig.

Der Versuch die Arbeitsmigration nach Österreich mit dem Raab (ÖVP)-Ohla (SPÖ) Abkommen von 1961 erstmals zu regeln steht im Zentrum des 18. Teils von “Auf dem Weg in Hier und Jetzt”. Lorber berichtet von der Einigung der Sozialpartner ein jährliches Kontingent von ausländischen Arbeitskräften in Österreich, sogenannten GastarbeiterInnen, zuzulassen.

So entstanden nach und nach Anwerbeabkommen mit Spanien 1962, der Türkei 1964 und dem ehemaligen Jugoslawien im Jahr 1966. Im Zeitraum von 1961 – 1973 kamen auf diesem Weg rund 265.000 Arbeitskräfte nach Österreich. Die meisten von ihnen waren in der Leder- und Textilindustrie, der Bauwirtschaft und im Tourismus beschäftigt.

Auf dem Weg ins Hier und Jetzt – Teil 19: Frauenarbeit am Beispiel der Weberei Ebensee von 1960 – 1980

In Teil 19 unserer Sendereihe zum Gedenkjahr beschreibt Dr.in Verena Lorber am Beispiel der Weberei Ebensee wie die Arbeitsrealität von Frauen am Beginn der zweiten Republik ausgesehen hat. 

Ebensee bringen die meisten Menschen mit der industriellen Verarbeitung von Salz in Verbindung – tatsächlich blickt aber auch die Textilindustrie in Ebensee auf eine beinahe hundertjährige Geschichte zurück. Nicht nur für Männer sondern vor allem für Frauen war die Weberei in Ebensee , die 1910 gegründet wurde, ein wichtiger Arbeitgeber. Mit der Schließung im Jahr 1992 verlor das Salzkammergut nicht nur einen Teil seiner Industriegeschichte sondern auch viele über Jahrzehnte in der Weberei beschäftigte Frauen ihren Arbeitsplatz.

Auf dem Weg ins Hier und Jetzt – Teil 20: Die zweite Frauenbewegung in Österreich in den 1970er Jahren

Teil 20 von “Auf dem Weg ins Hier und Jetzt” widmet sich der zweiten Frauenbewegung in Österreich. Dr. in Verena Lorber berichtet von der Schaffung eines Staatsekretariats für Allgemeine Frauenfragen im Bundeskanzleramt 1979 und spricht in diesem Kontext von “einem Meilenstein.” Dieses neue Staatsekretariat wurde von Johanna Dohnal geleitet und bedeutete den Beginn einer institutionellen Frauenpolitik in Österreich.

Paralell dazu entstand in den 70er Jahren eine autonome Frauenbewegung. Das Motto dieser Bewegung war: Das Private ist Politisch! Womit Herrschaftsstrukturen in allen Bereichen der Gesellschaft sichtbar gemacht wurden. Beide, die zweite autonome Frauenbewegung sowie die institutionelle Frauenpolitik erreichten wesentliche Verbesserung für Frauen in Österreich. 

Auf dem Weg ins Hier und Jetzt – Teil 21: Bruno Kreisky und die gesellschaftliche Öffnung Österreichs

© Matthias Cremer

DDr. Mag. Oliver Rathkolb ist Professor am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien und Institutsvorstand. Er ist Mitglied des internationalen Beirats des Hauses der Europäischen Geschichte und des Jüdischen Museums Wien sowie Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des Hauses der Geschichte Österreich.

Im 21. Teil unserer Radioreihe zum 100 jährigen Jubiläum der Republik reflektiert Rathkolb das Wirken Bruno Kreisky’s, der als Außenseiter ins Rennen um den SPÖ Vorsitz ging und sich dennoch gegen Hans Zettel durchsetzen konnte. Auch aus der Nationalratswahl im Jahr 1970 sollten die SPÖ und Kreisky als Sieger hervor gehen.  Eine Minderheitsregierung unter Duldung der FPÖ war die Folge.

Kreisky nutzte diese Chancen um sich bis ins Jahr 1983 an der Macht zu halten und Österreich sowohl gesellschaftlich als auch politisch zu modernisieren. So kam es zu einer Demokratisierung, zu sozialen Reformen, zu Verbesserungen in Bildung und Justiz (vor allem auch für Frauen) und zu einer Internationalisierung durch die Gründung des UNO Standortes in Wien. 

Auf dem Weg ins Hier und Jetzt – Teil 22: Der Umgang Österreichs mit seinen Minderheiten
am Beispiel der Kärntner SlowenInnen

Mag.a Gudrun Blohberger studierte Pädagogik in Kombination mit Grundlagen der Psychologie und psychosozialen Praxis an der Uni Klagenfurt. Beruflich engagierte sie sich im Bereich Museums- und Gedenkstättenpädagogik sowie in der Erwachsenenbildung. Als Beispiel sei hier etwa die Gedenkstätte Peršmanhof in Bad Eisenkappl/Zelezna Kappla erwähnt. Seit 2015 ist Gudrun Blohberger pädagogische Leiterin an der KZ-Gedenkstätte Mauthausen.

In Teil 22 unserer Zeitgeschichte-Reihe wirft Gudrun einen Blick in die Vergangenheit und zeigt wie sehr bereits vergangene Geschehnisse, zumal traumatisierende, als ungerecht und verbrecherisch empfundene Geschehnisse, immer wieder in die Gegenwart, ins Hier und Jetzt, ragen und nach einer Lösung verlangen.

Gerade am Beispiel der Kärntner SlowenInnen, die sich im Jahr 1920 für den Verbleib bei Österreich entschieden, zeigte sich immer wieder wie nachlässig mit den im Staatsvertrag verbürgten Rechten von Minderheiten umgegangen wurde.

Blohberger beschreibt die Geschichte der slowenischsprachigen KärntnerInnen entlang dreier Biographien, jede der beschriebenen Personen gehört einer anderen Generation an. Die Namen der Menschen sind zwar fiktiv, ihre Schicksale jedoch haben realistischen Hintergrund.

 Auf dem Weg ins Hier und Jetzt – Teil 23: Die Waldheim Affäre 1986

Im 23. Teil von “Auf dem Weg ins Hier und Jetzt” spricht Dr. Wolfgang Quatember über die fehlende gesellschaftliche Aufarbeitung der Rolle Österreichs im Nationalsozialismus bis Mitte der 1980er Jahre. Gerade die sogenannte Waldheim-Affäre kann als Sinnbild für ein Festhalten an der Opfer-Rolle Österreichs gelesen werden.

Wenn der Debatte etwas positives abgewonnen werden kann, meint Wolfgang Quatember, dann “dass das Jahr 1986 einen Paradigmenwechsel in der Selbsteinschätzung Österreichs in Bezug auf seine Rolle im Nationalsozialimus auslöste.”

Der Wahlkampf zum österreichischen Bundespräsidenten schien zuerst ruhig zu verlaufen. Im Jahr 1985 tauchten allerdings erste blinde Flecken in der Biografie Waldheims auf. Waldheim selbst hatte seinen Lebenslauf in Bezug auf die Kriegszeit geschönt und wesentliche Stationen unerwähnt gelassen.

Im Jahr 1986 wurde Waldheim schließlich dennoch gewählt. Jedoch wurde er in Folge auf die Watch List gesetzt, die Einreise in die USA wurde ihm verwährt, sein Ruf war international beschädigt. Als Bundespräsident blieb er bis zum Ende seiner Amtszeit isoliert.

Auf dem Weg ins Hier und Jetzt – Teil 24: Jörg Haider und der Aufstieg der Rechtspopulisten

© Gerhard Maurer

Dr. Prof. Klaus Ottomeyer studierte Soziologie, Psychologie und Ethnologie in Frankfurt am Main, Freiburg im Breisgau und Bremen. Anschließend war er wissenschaftlicher Angestellter am Institut für Soziologie und Ethnologie der Universität Heidelberg. Seit 1983 und bis zu seiner Pensionierung 2013 war er Professor für Sozialpsychologie an der Uni Klagenfurt. Im Jahr 2010 erschien im Haymon Verlag sein Buch “Jörg Haider – Mythos und Erbe”.

In Teil 24 beleuchtet Ottomeyer den Aufstieg der Rechtspopulisten unter Haider in den 1990er Jahren. Er zeichnet die Figur des Jörg Haider anhand dreier Insenzierungen nach: Haider als Robin Hood, der gegen das Establishment auftritt und ankämpft. Haider als feschen, sportlichen und erotisierenden Macho, in den sich Männer wie Frauen gleichermaßen verlieben konnten. Und Haider als Bierzeltsozialist, der sich mit den Leuten verbrüdert, sich duzen lässt und vorgibt bestehende Klassenzugehörigkeiten abzuschaffen – obwohl er selber Millionär war!

Neben diesen drei Inszenierungen spricht Klaus Ottomeyer aber auch von einem Politiker, der gegen Minderheiten hetzte und Menschen als Parasiten bezeichnete, der Künstler öffentlich angriff und mit falschen Behauptungen in Miskredit zog, der  Angehörige der Waffen-SS von ihrer Mitschuld frei sprechen wollte und schließlich mit der Hypo Alpe-Adria für den größten Finanzskandal der zweiten Republik verantwortlich war.

Auf dem Weg ins Hier und Jetzt – Teil 25: Der Beitritt Österreichs zur Europäischen Union 1995

Dr. Christian Kloyber studierte Germanistik und Geografie sowie Lateinamerikanistik in Wien und Mexiko. Seit 2014 leitet er das Bundesinstitut für Erwachsenenbildung am Wolfgangsee. Kloyber beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themen Zeitgeschichte, Exil und politische Bildung. Gemeinsam mit Christian Wasmeier aus Strobl publizierte er vor einigen Jahren das Buchprojekt „Das Bürglgut – Von der Großbürgerlichkeit zur Restitution“, welches im Studienverlag erhältlich ist.

Im 25. Teil unserer Sendereihe zum Gedenkjahr wirft Christian einen Blick zurück ins Jahr 1989 und erinnert an die großen Umbrüche – den Zusammenbruch der DDR, den Abbau des eisernen Vorhangs und die bevorstehende Wiedervereinigung Europas. Gerade in diese Zeit fiel auch der Beitrittsantrag Österreichs zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) aus der später die Europäische Union hervorgehen sollte. Die Verhandlungen wurden schließlich im März 1993 erfolgreich abgeschlossen. Eine Volksabstimmung in der sich knapp 67 % der Wahlberechtigten für einen EU-Beitritt aussprachen war die Folge. Seit 1995 ist Österreich nun Mitglied der Union.